Medizin-Mensch-Technik

Kurzstatements der Juroren zum Medienpreis-Jubiläum 2016

  Dr. Bernhard Albrecht, Stern

„Zehn Jahre, elf Platzierungen, sechs Mal Platz eins – überdurchschnittlich oft begeisterten sich die Jurymitglieder fürs Fernsehen. Darunter: Erfolgsgeschichten über Cochlea-Implantate und bionische Prothesen, eine Krankenhaus-Soap und anrührende Patient-Arzt-Porträts, aber auch kritische Features über die Medizintechnik-Gesetzgebung oder Chancen und Grenzen der Neugeborenenmedizin. Selten setzten sich Magazinbeiträge der leider nur wenigen Medizinformate des deutschen Fernsehens durch, stattdessen lange, nicht von der Aktualität getriebene Dokumentationen, die die erzählerische Kraft des Mediums ausschöpften, das starke visuelle Potenzial der Medizintechnik nutzten und nah am Menschen blieben.“

  Uwe Dolderer, Charité – Universitätsmedizin Berlin

„Das Verständnis und die Akzeptanz auf Patientenseite sind wesentliche Voraussetzungen für die Wirksamkeit medizintechnischer Therapien. Die öffentliche Akzeptanz für die klinische Forschung wiederum ist Grundvoraussetzung dafür, ständig neue Schritte im Interesse der Patienten gehen zu können. Der partnerschaftliche Umgang mit den Medien ist deshalb die Grundlage, gute und verständliche Kommunikation der Transmissionsriemen. Nur das, was wir über die Medien vermitteln können und was beim Empfänger ankommt und verstanden wird, kann auch Wirkung zeigen.“

  Christina Hucklenbroich, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ob Zika-Virus, Organspende-Skandal oder Masern-Ausbruch: Medizinjournalistische Beiträge drängen immer häufiger auf die vorderen Seiten. Während der Juryarbeit der vergangenen Jahre wurde aber auch ein zweiter Trend sichtbar: Es sind nach wie vor die großen Geschichten und Reportagen über Menschen und Medizin, die Printjournalisten selbst als preiswürdig ansehen und deshalb einreichen. Die Printmedien entdecken offenbar zunehmend die Bedeutung eines solchen ‚Storytelling’ und räumen dafür Platz frei.“ 
Die ganze Laudatio von Christina Hucklenbroich auf der Preisverleihung finden Sie hier.

  Susanne Kutter, Wirtschaftswoche

„Lokaljournalisten bewarben sich von Anfang an beim Medienpreis – mit exzellent recherchierten Artikeln, oft hautnah an Menschen ihrer Region entlang erzählt. Doch gegenüber Magazin-Titelgeschichten und Radio- oder TV-Reportagen konnten die Lokalstücke nie bestehen. Deshalb freue ich mich, dass wir seit zwei Jahren mit dem Lokalpreis auch jene Journalisten auszeichnen dürfen, die sich im Tagestrubel die Zeit nehmen, komplizierte Medizintechnikthemen spannend zu vermitteln. Das ist Fachjournalismus unter erschwerten Bedingungen.“
Die ganze Laudatio von Susanne Kutter auf der Preisverleihung finden Sie hier.

  Jochen Niehaus, Focus

„Medizinjournalismus in Zeitschriften bringt scheinbar Unvereinbares zusammen: leichte Unterhaltung und Glamour mit den schweren Themen Krankheit und Therapie. Doch gerade diese Gegensätze machen Medizin im Magazin so wirksam. Gesundheitsinformationen sind dort so appetitlich verpackt, dass sie auch angenommen werden. Die Fakten sind der Wirkstoff. Damit sie ihren Wirkort im Gehirn erreichen, sind verständliche Texte und Infografiken nötig. Als Wirkverstärker dienen Emotionen. Das Magazin erzeugt sie mit Patientengeschichten und faszinierenden Bildern. Der Medienpreis prämiert den Artikel, dessen Wissen die beste Medizin des Jahres war.“

  Carsten Schroeder, Deutschlandfunk (Jury-Vorsitzender)

„Der Medienpreis Medizin Mensch Technik ist auch ein Gütesiegel für Qualität im Hörfunk. Nur mit Sprache, Stimme, Geräuschen, Klängen und Tönen eine Atmosphäre zu erzeugen und Vorgänge zu beschreiben, gelingt nicht jedem. Die Preisträger aus der Kategorie Hörfunk gingen noch weiter, sie haben umfassende Recherchen zu solchen medizintechnischen Themen angestellt, die sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich relevant waren. Ihre Ergebnisse haben sie zu ästhetischen Hörerlebnissen gestaltet, zu einem ‚Kino im Kopf’ im besten Sinne.“

  Dr. Holger Storcks, Medtronic GmbH

„Dank Internet und Social Media verteilt sich die Autorenschaft in Wort, Film und Bild heute breit innerhalb der Bevölkerung. Im gleichen Zuge steigen die Ansprüche an das (digitale) Angebot von unternehmensbezogenen Informationen. Diese Entwicklungen führen zu einem erweiterten Rollenverständnis der Pressestellen, die neben den Journalisten zunehmend auch sonstige Publizisten wie Blogger und YouTuber zu bedenken haben. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Journalismus zukünftig in diesem digitalen Gefüge positionieren wird. Die hohe Qualität der eingereichten Beiträge aus Print, TV und Hörfunk setzt der digitalen Welt jedoch eine hohe Messlatte, die auch zukünftig eher eine Koexistenz denn eine echte Konkurrenz der Medien untereinander erwarten lässt.“