Medizin-Mensch-Technik

1. Preisträger: Lars Abromeit

Geboren 1974 in Berlin, hat Rechtswissenschaften und Biologie in Freiburg, Sydney und Göttingen studiert und unter anderem für die „Berliner Zeitung“, „Merian“ und die „taz“ geschrieben. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen besuchte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Seit Juli 2002 ist Lars Abromeit als Redakteur und Reporter bei GEO, seit 2005 dort verantwortlich für Abenteuer- und Expeditionsthemen. Die größten Entdecker, die er bisher kennengelernt habe, seien jedoch seine zwei kleinen Töchter.

Für seine Arbeit wurde der Autor neben dem „Medtronic Medienpreis“ mit dem „Axel-Springer-Preis”, dem „BMZ-Medienpreis Entwicklungspolitik” und dem „Henri-Nannen-Preis“ ausgezeichnet.

Gewinnerbeitrag „Beinlos klettern“, erschienen am 01.01.2011 in GEO

Bei Boston wagte sich Autor Lars Abromeit auf eine Klettertour mit dem 46jährigen Biophysiker Hugh Herr, der einen besonderen Traum verfolgt: Er arbeitet an einer Welt, in der mechanische Konstruktionen körperliche Behinderungen verschwinden lassen wie Kontaktlinsen eine Sehschwäche. Er sucht den „Mensch 2.0“.

Den größten Anspruch stellt der rastlose Forscher dabei an sich selbst: Bei einem Bergunfall verlor Hugh Herr als 17-Jähriger beide Unterschenkel. Aber er gab sich nicht auf: Herr begann, künstliche Beine zu bauen, die ihm wieder zu klettern erlaubten und seine „Behinderung“ im Gebirge sogar in einen Wettbewerbsvorteil verwandelten. Später studierte der „Mechanical boy“, wie die „Freeclimbing“-Szene ihn taufte, Biophysik und Maschinenbau, um weiter an der perfekten Prothese zu feilen. Als Professor am weltberühmten „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) leitet er nun die Abteilung Biomechatronics. „Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass Millionen von Menschen allein durch Prothesen schmerzfrei den Alltag bewältigen können“ zitiert Abromeit den Forscher in GEO.

Der Artikel begeisterte die Jury durch „seine Bildgewalt und die einfühlsame Schilderung eines beeindruckenden Amerikaners, der die Medizintechnik bis an ihre Grenzen für sich nutzt und sich selbst zum lebenden Beweis einer gelungenen Fusion von Technologie und Biologie macht.“

Dabei versäumt es der Autor nicht, „auch sensibel die moralische Schuld und Rastlosigkeit zu thematisieren, die den Biomechaniker weitertreibt“, betont Carsten Schroeder, Juryvorsitzender des Medtronic-Medienpreises 2012. Abromeit bestätigt: „Ebenso schwierig, wie die Granitwand hinaufzukommen, war es bei der Recherche für mich, die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu diesem verblüffenden, kompromisslosen und oft provokanten Protagonisten zu wahren.“


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2. Preisträgerin: Kristin Raabe

Kristin Raabe, geboren 1970, studierte Biologie und Philosophie. Als reisende Journalistin arbeitet sie seit 1998 in Köln für den WDR und den Deutschlandfunk. Ihre Recherchen führten sie immer wieder nach Asien. Am meisten beeindruckten sie dabei die Menschen, die ihr begegneten.

Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus.

Gewinnerbeitrag Hörfunk „Licht ins Dunkel- Ein Neurochip für Blinde“ vom 06.02.2011 im Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt

Expeditionen in unbekannte Gebiete waren bereits in der Schulzeit der Traum von Kristin Raabe und so war sie beharrlich und unerschrocken genug, ein Jahr zu kämpfen, um den Holländer Ludo Hoendervangers  aufzuspüren und zum Interview zu überzeugen. Dieser ist seit seinem dreißigsten Lebensjahr blind und einer von 17 Patienten, der sich in der Tübinger Universitätsklinik bei Prof. Dr. Eberhart Zrenner einen Sehchip in das linke Auge hat einsetzen lassen: Eine Sehprothese, die ihm mit Fotodioden, einem winzigen Computerchip und feinen Elektroden erlaubt, schemenhaft zu sehen.

In seiner Laudatio begründete der Juryvorsitzende Carsten Schroeder, selbst „Radio-Mann“, die Wahl des Beitrags damit, dass hier „ein komplexes medizintechnisches Thema wissenschaftsjournalistisch meisterlich aufgearbeitet wurde.“ Besonders den Einstieg über die Science-Fiction-Passage lobte die Jury als „Nutzung des Mediums Hörfunk in besonders gelungener und eindrücklicher Weise“.

Kristin Raabe zur Preisverleihung: „Mir hat es bei diesem Stück besonderen Spaß gemacht, die bunte Science Fiction Welt mit der Realität kollidieren zu lassen, in der diese Patienten eben nur schwarz, weiß sehen können.“

Superkräfte ermöglicht der Sehchip seinen blinden Trägern also nicht. Mit dem Ergebnis ist Ludo Hoendervangers trotzdem zufrieden: „Wenn man in so einem Schaufenster Licht erkennt [..]- da sind wir die ganze Reise für angefangen."

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3. Preisträger: Tim Förderer

Geboren 1970 schrieb der Verhaltensbiologe seine Diplomarbeit mit dem Max-Planck-Institut an der Elfenbeinküste und reiste für Forschungsauftenthalte nach Kenia und Ecuador.

Er hat seit 2001 unter anderem für Marco Polo Film, ARD, 3Sat und ARTE, ZDF Discovery, WDR, Quarks und Co. gearbeitet und ist seit 2011 freier Redakteur bei der Produktionsfirma medi cine. Förderer hat zwei Kinder und geht leidenschaftlich gern Segeln.

Ausgezeichnet wurde seine Arbeit unter anderem mit dem „Special Price for the best cinematography, ROSHD International Film Festival 2005“, IRAN und dem „Best Children Series International Wildlife Film Festival Missoula, Montana 2005 (USA).

Gewinnerbeitrag TV „Voll im Takt - 50 Jahre Herzschrittmacher“, gesendet bei ZDFInfo am 06.10.2011

„Herrn Förderer gelingt es mit einem raffinierten Trick, die 50jährige Geschichte des Herzschrittmachers unterhaltsam und kreativ darzustellen – vor allem die frühen Jahre werden durch bewegte Cartoons anschaulich und pfiffig für den Zuschauer erklärt“ fasst die Jury ihr Lob zum Fernsehbeitrag zusammen. 

Hinzu kommen „eindrucksvolle Interviewpassagen des heute 86jährigen emeritierten Kardiochirurgen Heinz-Joachim Sykosch, der fast verschmitzt über die erste Implantation eines Herzschrittmachers und seine weiteren Bemühungen, diesen zu optimieren berichtet - mit unorthodoxen Helfern wie Goldschmieden und Waschmaschinenherstellern.“

Carsten Schroeder, Juryvorsitzender: „Man erlebt, wie sich Sykosch 1961 gegen den Willen seines Chefarztes stellt und implantiert, während dieser beim Fischen ist. Er nutzt einen aus den USA importierten Schrittmacher – den ersten von insgesamt über 7.000, die er in seiner Karriere implantieren wird– rettet das Leben eines 19 Jährigen und schreibt Medizingeschichte. Tim Förderer porträtiert Sykosch dabei keineswegs einseitig als einen ‚Helden der Medizin‘, sondern behält die Distanz zu einer ebenso schillernden wie ambivalenten Figur.“

 

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